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Gesellschaft für Sexualpädagogik

 

 

Forderung der Gesellschaft für Sexualpädagogik
zur aktuellen Debatte um „sexuellen Missbrauch“
Sexualpädagogik muss eine bedeutendere Rolle in der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen einnehmen

(Kiel, 17. 3. 2010). Die aktuelle Debatte um diverse Formen sexualisierter Gewalt hat sich über die katholische Kirche hinaus zur Frage des Umgangs mit Sexualität sowie mit Nähe und Distanz in pädagogischen Institutionen verallgemeinert. Aus diesem Grund schaltet sich die Gesellschaft für Sexualpädagogik e.V. (GSP) aus erziehungs-wissenschaftlicher Perspektive in die Debatte ein, um konstruktive Vorschläge zur Problemminderung beizusteuern. Die GSP fordert mehr Professionalität in der Sexualerziehung und beim Umgang mit Nähe und Distanz in allen pädagogischen Einrichtungen und deswegen auch in allen erziehungswissenschaftlichen Ausbildungen. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn Pädagoginnen und Pädagogen sich mit den Themen Sexualität, Nähe, Distanz, Macht und Identität auseinandersetzen. Dazu bedarf es einer soliden Verankerung sexualpädagogischer Inhalte in die Ausbildungsgänge aller pädagogischen Berufe.
Alle pädagogisch Tätigen müssen sich mit Nähe und Distanz im Umgang mit Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen und zwar sowohl in körperlicher, emotionaler als auch sozialer Hinsicht. Eltern, Jugendleiterinnen und Jugendleiter, Trainerinnen und Trainer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer – sie alle stehen in sehr unterschiedlichen Kontexten und Verantwortlichkeiten vor der Aufgabe, (auch) persönliche, oft intime Themen und Probleme der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu begleiten, ohne ihnen dabei zu nahe zu treten und das dem Erziehungsprozess inhärente Machtverhältnis auszunutzen bzw. zu benutzen. Pädagogischer Umgang mit Nähe und Distanz, mit Macht und Ohnmacht meint nicht einseitig das Einhalten von Distanz, weil zu helfenden Beziehungen ein Sich-Einlassen ebenso dazu gehört wie ein Sich-Distanzieren, Bindung ebenso wie Freilassen.
Das dazu erforderliche Wissen und die benötigten Kompetenzen, das die Sexualpädagogik als Spezialdisziplin bereit stellt, werden in den Ausbildungs- und Praxisstätten von Pädagoginnen und Pädagogen bisher nur unzureichend gelehrt und reflektiert. Hierzu gehört unter anderem das Wissen darum, dass
  • Menschen in jeder Situation immer ganzheitlich mit ihren körperlichen, emotionalen und sozialen Erfahrungen und Bedürfnissen anwesend sind,
  • die Fähigkeit zu selbst kontrollierendem und damit auch situationsangemessenem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen sich erst langsam entwickelt,
  • Erwachsene immer Verantwortung für die ungestörte Entwicklung der Kinder und Jugendlichen tragen,
  • Kontakte und Situationen vermieden werden können und müssen, in denen die angemessene Nähe und Distanz nicht mehr gewährleistet ist.
Nähe und Distanz zwischen pädagogisch Tätigen und den zu Erziehenden ist immer eingebettet in ein Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden wie auch in spezifische situative Rahmenbedingungen. Diese sind für sexualisierten Machtmissbrauch umso anfälliger, je geschlossener sie sind. Das gilt für die Art der Beziehung, z. B. Trainings und Erziehungskontexte ebenso wie für Institutionen, z. B. Familie, Heim, Internat oder Gefängnis. In solchen Kontexten stehen auch Kinder und Jugendliche untereinander in der Gefahr, ihre Intimgrenzen zu überschreiten.
Das gilt umso mehr, wenn das Sprechen über Sexualität persönlich und institutionell tabuisiert wird und sexualpädagogisches Bewusstsein fehlt, so dass sexualisierte Machtspiele und sexualisierter Machtmissbrauch wahrscheinlicher werden. Neben der Berücksichtigung des Themas „Nähe und Distanz“ sollten Pädagoginnen und Pädagogen grundsätzlich sexualpädagogisch qualifiziert werden. Nur so kann die institutionelle Tabuisierung des Redens und Reflektierens über Sexualität aufgehoben und professionell eingebettet sowie Entgleisungen vorgebeugt werden. Darüber hinaus hat Sexualpädagogik präventiven Charakter, indem sie Kinder und Jugendliche stärkt, auf sozialer, psychischer und körperlicher Ebene Grenzen zu setzen.
Die Gesellschaft für Sexualpädagogik spricht sich dafür aus, dass bei Maßnahmen zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt (z. B. runden Tischen) unbedingt sexualpädagogisch kompetente Personen beteiligt werden. Auf diese Weise  bereits erfolgreichen Aus- und Fortbildungsprojekten sowie anderen sexualpädagogischen Interventionen, wie z. B. „Inhouse“-Fortbildungen für pädagogische Teams, gelernt werden. Gerne stehen wir als Fachverband für einen Erfahrungsaustausch und für Gespräche zur Verfügung.
 
Kontakt:
Dr. Stefan Timmermanns, 1. Vorsitzender,
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Prof. Dr. Uwe Sielert, Geschäftsführung,
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Universität Kiel
Institut für Pädagogik
Gesellschaft für Sexualpädagogik e.V.
Prof. Dr. Uwe Sielert
Olshausenstraße 75
24118 Kiel
Telefon +49 (0)4 31/ 88 0 -12 13
Fax +49 (0)4 31/ 88 0 - 54 97
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www.gsp-ev.de

Die GSP ist ein bundesweiter Fachverband von wissenschaftlich und praktisch tätigen Sexualpädagoginnen und -pädagogen, die sich der Qualitätssicherung sexualpädagogischer Arbeit verpflichtet fühlen. Die GSP berät gesellschaftliche Institutionen, pädagogisch Tätige und Teams zum Thema Sexualität in pädagogischen Kontexten. Seit 2008 vergibt der Verband ein Qualitätssiegel, um die Professionalisierung sexualpädagogisch Tätiger voranzutreiben.
Unter anderem auch deshalb, weil die Berufsbezeichnung „Sexualpädagoge/ Sexualpädagogin“ in Deutschland nicht geschützt ist. Weitere Informationen über das Qualitätssiegel der GSP finden sich unter:

 

 

 

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Die Jubiläumsfachtagung zum 10 jährigen Jubiläum

"Sexuelle Lebenskunst und Pädagogik -
zwischen Machbarkeit und Inspiration"


fand am 26.-27. September 2008 an der Universität Kiel statt.
 

Die Dokumentation zur Fachtagung findet ihr/finden sie auf diesen Seiten und hier:
www.gsp-ev.de/content/section/10/93/

 

 

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